- Brand in U-Bahnhof - Führungskraft begann mit der Menschenrettung - ein getöteter FA
(bl) London (England). Am 18. November 1987 brach das schlimmste Feuer in der Geschichte der Londoner U-Bahn aus. Bei dem Brand im weit verzweigten U-Bahnhof King's Cross kamen 31 Menschen ums Leben – darunter eine Führungskraft der Feuerwehr. Viele weitere Menschen wurden bei dem Brand schwer verletzt.
Am frühen Abend wurden mehr als 150 Feuerwehrleute und 30 Löschfahrzeuge zu einem Brand im Bahnhof King's Cross gerufen. King´s Cross ist einer der größten Verkehrsknotenpunkte in London. Das Feuer soll gegen 19:25 Uhr ausgebrochen sein, als mutmaßlich ein brennendes Streichholz durch einen Spalt in eine hölzerne Rolltreppe fiel und das Fett und den Müll unter den Stufen in Brand setzte. Ein Feuerwehrmann der ersten Einheit beschrieb den Brand anfänglich als „etwa so groß wie ein großer Pappkarton“. Das Feuer breitete sich jedoch schnell aus. Die Flammen erhitzten die Struktur und die Beläge der Rolltreppe der Piccadilly-Line und heizten so den Rest der Holztreppe an, bevor sie selbst in Flammen aufgingen.
Die Ermittler bezeichneten dieses Verhalten der Flammen als „Grabeneffekt“. Viele Fahrgäste konnten über eine alternative Rolltreppe entkommen. Alle Züge waren angewiesen worden, nicht am Bahnhof zu halten. Allerdings war die Schalterhalle noch immer mit den letzten Fahrgästen der abendlichen Hauptverkehrszeit überfüllt, als ein Feuerball aus dem Treppenraum schoss. Eine Uhr, oberhalb der Rolltreppe, zeigte 19:45 Uhr an – genau der Zeitpunkt, als die Flammen die Verkabelung durchbrannten.
Ein großer Feuerball, der etwa kopfhoch war, schlug in der Schalterhalle gegen die Decke. Unmittelbar darauf folgte dichter schwarzer Rauch. Das Feuer verursachte Risse im Beton, löste Fliesen von den Wänden und ließ geschmolzenen Kunststoff von der Decke tropfen. Dichter Rauch hüllte die Schalterhalle ein, versperrte die Ausgänge und behinderte die Rettungsarbeiten.
Das Feuer war um 21:48 Uhr unter Kontrolle und um 1:46 Uhr am 19. November vollständig gelöscht. Die Such- und Bergungsarbeiten wurden die ganze Nacht über fortgesetzt.
Unter denjenigen, die von dem Feuerball erfasst wurden, befand sich auch die Führungskraft der Feuerwache Soho, Colin Townsley, der zusammen mit einem Kollegen, Roger Bell von der Feuerwache Clerkenwell, in die U-Bahn gegangen war, um die Lage einzuschätzen. Die Einsatzkräfte fanden die Leiche der Führungskraft neben der stark verbrannten Leiche eines Fahrgastes auf den Stufen, die zum Eingang Pancras Road führten.
Zeugen berichteten, kurz vor dem extremen Brandphänomen einen Feuerwehrmann mit weißem Helm gesehen zu haben, der die Fahrgäste aufforderte, das Gebäude zu verlassen.
Sir Desmond Fennells Bericht besagte, dass alle Indizien darauf hindeuteten, dass die Führungskraft Colin Townsley bei dem Versuch, dem schwerbrandverletzten Menschen zu retten, starb. Vermutlich wurde Colin Townsley von den giftigen Rauchgasen überwältigt.
In der Feuerwache von Soho bleibt der Platz von Station Officer Colin J. Townsley G.M. leer, zum Gedenken an den gefallenen Feuerwehrmann – und an die Bürger, die an jenem schrecklichen Tag ihr Leben verloren.
Dieser tragische Brand hat jedoch die Politik im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs neu definiert und zu Änderungen geführt, die uns heute alle viel sicherer machen.
Quelle: Feuerwehr London
Bildquelle: Björn Lüssenheide